Seelenwanderer

Jede Energie strebt immer, sich zu manifestieren. Jedes Manifestierte aber strebt nach Entropie („Maß für die Unkenntnis der Zustände aller einzelnen Teilchen“); und Entropie wiederum wird, je mehr sie zunimmt, Energie, und wieder reine Energie, sobald die Entropie unendliches Maß erreicht hat. Und der Kreislauf beginnt von vorn.

Ist es geworden, so muss es vergehen, sonst hätte es nicht werden können.

Es ist müßig zu fragen, warum dies so ist – denn wäre es nicht so, könnte nichts und niemand danach fragen. Man könnte sagen, es ist der Odem Gottes, Seine Präsenz in Allem, das ist.

Doch führt dieses Bild zu kurz, denn dieser Odem ist in allen Dingen, zu jeder Zeit, und in jedem Zustand des Werdens und Vergehens gleichzeitig. Nicht digital (Ja/Nein), sondern „super-analog“, sozusagen. Quantenfluktuation ist deshalb eine genauere Beschreibung des Phänomens.

(Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass sich daraus auch ergibt, dass Energie und Materie in Ewigkeit und überall verbunden und wechselwirkend sind. Ich komme darauf zurück.)

Doch wer glaubt schon, dass die Seele Des Seins atmet wie Sie oder ich. Man kann also genausogut bei dem poetischen, und für mein Empfinden viel schöneren, Bild des Odem Gottes bleiben, wenn einem Physik zu kompliziert ist. Es macht ja keinen praktischen Unterschied, wenn man nicht gerade Überlicht-Raumschiffe konstruieren will.

Jedenfalls, alles Existierende ist also manifestierte Energie und strebt, wieder Energie zu werden. Aber, Vorsicht vor der Falle des digitalen Denkens, dieses alles Existierende befindet sich immerzu im Werden und Vergehen gleichzeitig. Da ist kein Ein/Aus-Schalter. „Panta rhei“ („Alles fließt“) sagten die altgriechischen Philosophen dazu.

(Ich wundere mich oft darüber, wie es möglich ist, dass unsere mit Wissen doch so vollgestopfte Zeit so viel Weisheit unserer Altvorderen ignoriert. Lesen Sie doch einmal die Veden und die Upanishaden der Hindus, und obwohl darin auch viel Unsinn ist, Sie werden es kaum für möglich halten, wie sehr deren Konzepte der Schöpfung sich decken mit neuester Forschung z.B. im Bereich Quantenphysik. Klar, das ist alles viel blumiger formuliert in diesen uralten Schriften der Rishis, und Formeln werden Sie darin auch nicht finden, aber man fragt sich schon, ob wir nicht heutzutage nur etwas wiederentdecken, was wir längst einmal wussten. Und warum wir es vergessen haben.)

„Alles fließt“. Es fließt vom Dunkel ins Licht, ins Dunkel , ins Licht. Warum fließt es? Nun, es ist die Natur dieses Alles. Vielleicht fließt es, damit jemand fragt?

Ist Bewusstsein das Ziel?

Und, wenn wir annehmen, dass Gott reines Bewusstsein ist – wie könnte es möglich sein, dass Bewusstsein nicht das Ziel ist?

Allerdings, ob irgendwer über das Bewusstsein Gottes etwas (Endgültiges) sagen kann, das sei dahingestellt. (Ich persönlich glaube ja, dass Er das noch nicht einmal selbst kann und dass die Schöpfung der Vorgang ist, mit welchem Er Sein Bewusstsein erforscht).

Und ohnehin wäre es irrelevant, denn wir sind nicht Gott. Er ist wir, aber wir sind nicht Er.

Und deshalb, nach all der theoretischen Vorrede, die Sie mir hoffentlich verzeihen, in die konkreteren Gefilde unseres Daseins in dieser Welt, und ob sich unsere quantenphysikalischen Erkenntnisse darauf anwenden lassen.

Wir sind Körper, Geist und Seele.

Was der Körper ist, das ist leicht. Kann man ja anfassen. Mit dem Geist ist es schon schwieriger, aber René Descartes hat dazu bereits alles gesagt: „Incognito lego summa summarum“, ups, „Ich denke, also bin ich“, selbstverständlich.

Doch, die Seele, was ist das? Gibt es das überhaupt?

Sehen Sie sich Ihr Gehirn an. Sie werden feststellen, Sie haben eine Galaxie in Ihrem Kopf. Ist es nicht faszinierend, wie das Prinzip der Selbstähnlichkeit sich vom Kleinsten ins Größte zieht? Die Vernetzung Ihrer Gehirnzellen ähnelt dem Aufbau einer Galaxie.

Doch machen Sie bitte nicht den furchtbaren Fehler der modernen Forschung – sehen Sie noch viel weiter. Sie sind ein komplettes Nervensystem, von den Zehenspitzen bis unter die Haarwurzeln, darin einige wichtige und große Knotenpunkte. Der größte davon sitzt in Ihrem Bauch (und steuert den Hochleistungs-Chemie-Ablauf Ihrer Verdauung), der zweitgrößte in Ihrem Kopf, außerdem bemerkenswert bei Herz, Kehle, und so weiter.

Es ist einfach nicht wahr, dass Ihr Bewusstsein nur Ihr Kopf wäre, und es ist traurig und lächerlich, dass gewisse Forscher meinen, den Inhalt (allein) eines Kopfes auf eine Festplatte zu laden, würde schon ausreichen, eine Persönlichkeit zu duplizieren. Ihre Persönlichkeit, das ist Ihr gesamtes Nervensystem, und dieses kann sich außerdem der Rückwirkung des Körpers unmöglich entziehen: Sie sind nicht mehr der Gleiche, wenn Ihnen körperlich etwas fehlt, zum Beispiel.

Aber da ist auch etwas Unveränderliches, es ist schon immer da, und Sie spüren es schon immer völlig gleich, bereits als Kind haben Sie es ganz genauso gefühlt wie heute. Was könnte es sein?

Der Körper (gemeint: Muskeln, Knochen, Gelenke und so) ist es nicht, denn der verändert sich ziemlich heftig, im Laufe der Zeit. Das Nervensystem ist also der Ort, wo wir suchen müssen.

Wie funktioniert denn so ein Nervensystem? Elektrische Ströme fließen entlang der Nervenbahnen. Am Nervenende erregen sie die Ausschüttung von chemischen Botenstoffen, diese wandern über die (mikrokleine) Distanz zum nächsten Nerv und lösen in dessen Nervenende wiederum ein elektrisches Signal aus, das zum Nervenende dieses nächsten Nervs fließt.

Ihr Denken, Ihr Bewusstsein, Ihre Wahrnehmung – sind also ein elektro-chemischer Prozess.

Aus der Relativitätstheorie ergibt sich, dass alle elektrischen Wellen bzw. (wg. Dualismus) Teilchen sich immer mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Was aber sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, das steht in der Zeit – es altert nie und ist so alt wie das Universum. Und wird erst mit dem Universum vergehen.

Tja, und das gilt auch für den elektrischen Anteil Ihres Nervensystems… voilà, hier ist sie also: Ihre unsterbliche Seele. Und das chemische nervale Geschehen ist Ihr Geist.

Jedoch, wie ich weiter oben schon schrieb: Ob Körper, Geist oder Seele, nichts davon ist distinkt. Es ist alles miteinander verwoben und wechselwirkend. Es kann nicht anders sein, denn die Schöpfung, also auch wir, ist stetes Werden und Vergehen von Energie und Materie.

Es macht deshalb einen – großen – Unterschied, was Sie denken. Es ändert alles, ob Sie Liebe oder Hass ausstrahlen. Jede Wahrheit des Universums ist bereits in Ihnen verborgen.

Wir sind ewig. Und alle Gebete an Unseren Vater werden gehört.

Ob sie aber erhört werden, das liegt ganz allein an uns.

Wo wollen wir hin?